Montag, 21. Oktober 2013
Eine Wahl beim Ort zum Sterben haben... Mehr möchte sie nicht
Stellen Sie sich vor, es wäre Ihre Tochter. Stellen Sie sich vor, es wäre Ihre Schwester. Stellen Sie sich vor, es wäre Ihre Freundin. Ein 13-jähriges Mädchen, lebensfroh, freundlich, fleißig, krank. Sehr krank. Zu krank um zu überleben. Das Mädchen hat einen Tumor im Bauch, der bereits auf Leber und Lunge so stark gestreut hat, dass die Schulmedizin das Mädchen bereits aufgegeben haben. Sie wird gehen. Und sie weiß, dass ihre Zeit vorbei ist, vielleicht noch vor Weihnachten. Sie möchte jetzt ihre Ruhe, für sich und für ihre Eltern. Aber die darf sie nicht haben.

Ein Gesetz besagt, dass Menschen gezwungen werden können, medizinische Einrichtungen zu besuchen, selbst wenn sie nicht mehr zu heilen sind, so wie im Fall das Mädchens. Eine Staatsanwaltschaft hat den Eltern gedroht, ihre Tochter zwangseinweisen zu lassen, wenn sie sie nicht auf eigene Kosten in ein medizinischen Programm geben. Und das schließt Sterbehospize aus. Eltern und Kind wollen das nicht. Sie wollen ihre Ruhe, die letzte Zeit für sich haben... zusammen. Aber ein Gericht erlaubt es nicht.

Das Kind muss nun also in eine Klinik und muss untersucht werden, behandelt werden, natürlich alles auf Kosten der Eltern. Sie lassen ihr nicht die Ruhe, die sie sich wünscht. Zu Forschungszwecken wurde sie verurteilt, bis zum Tode in einer fremden Umgebung zwischen fremden Leuten auszuharren und Therapien und Medikamente wirken zu lassen, die sie nicht mehr retten können.

Was ist das? Ist das menschlich? Ich halte es für grausam und abstoßend. Ich sehe die Notwendigkeit der Forschung, aber darf meinen einen Menschen dazu zwingen? Seinen letzten echten verzweifelten Wunsch ignorieren und ihn quälen? Ihm das verwehren, was er am meisten wünscht? Ein 13-jähriges Mädchen, das sich im Kreis der Familie ausruhen und sterben möchte? Ich denke nicht. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass das meine Tochter sein könnte, die nichts lieber möchte, als in meinen Armen zu liegen, aber nun hinter Glasfenster am Tropf hängt und mich nur ansehen darf. Sie möchte auf dem Sofa auf Papas Schoß gekuschelt schlafen, nicht in einem Krankenhausbett.

Die Eltern wollten wenigstens den letzten Wunsch ihrer Tochter erfüllen und konnten, durften es nicht. Auf eigene Kosten müssen sie dies verwehren. Das Gesetz ist auf der Seite der Staatsanwaltschaft. Zu Forschungszwecken. Um zukünftiges Leben erhalten zu können. Wird vielleicht meine Tochter irgendwann zu diesem Preis gerettet werden können? Ist es mir das wert?

Ich habe keine Kinder, ich bin zu jung, um mir vorzustellen, eine 13-jährige Tochter zu haben. Vielleicht beantworte ich deshalb diese Fragen ebenfalls mit einem klaren „Nein“. Ich halte den Preis, den Wunsch dieses Mädchens, für zu hoch. Denn was ich meinem eigenen Kind niemals antun möchte, dass sollte auch niemals ein anderes erfahren.

Das Mädchen ist jetzt in einer Klinik, die ganzheitlich behandelt. Vielleicht die beste Lösung. Die Eltern tragen die Kosten alleine, Freunde haben Spendenkontos eingerichtet, die Geschichte des jungen Mädchens wird über Facebook geteilt. Ich möchte keinen Spendenaufruf starten. Ich möchte, dass über solche Gesetze besser nachgedacht wird. Dass das Menschliche nicht verloren geht. Und ich möchte, dass das Mädchen nach Hause darf, zu ihren Eltern, Geschwistern und den Tieren. Ich kenne sie. Sie hat es verdient, dass man ihren Wunsch respektiert.

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