Donnerstag, 8. August 2013
"Dafür ist mein Kollege zuständig..."
Bei Behörden anrufen, mein persönlicher Albtraum. Jedes Mal lege ich mit dem Gefühl auf, dass ich unbedingt mal diesen ominösen Kollegen sprechen müsste. Also den, der mir eigentlich als Einziger helfen kann. Der, der immer die Schuld an möglichen Versäumnissen trägt. Der, der bedauerlicherweise immer genau dann nicht am Platz ist, wenn ich anrufe. Und der, der in jedem Unternehmen angestellt zu sein scheint.

Mit diesem Kollegen würde ich gerne mal sprechen. Ich würde ihm gerne mal meinen Respekt für sein enormes Arbeitspensum aussprechen, bei dem er es noch schafft, regelmäßig irgendwo ein Verwaltungschaos anzulegen. Respekt auch dafür, dass er immer genau weiß, wann ich anrufe. Respekt für seine enormen und vielseitigen Fähigkeiten, mit denen er das gesamte Unternehmen am Laufen zu halten scheint. Und meinen Respekt auch, dass er immer die ganze Schuld auf sich lädt.

Aber nicht nur meinen Respekt hat der Kollege, sondern auch ganz besonders mein Mitleid für den Titel „Arschloch der Nation“. Was muss das für ein Leben sein, ständig auf der Flucht, hetzend von Unternehmen zu Unternehmen, dabei noch alles können und nicht auf die Reihe bekommen. Zwischendurch muss der Telefonstand sämtlicher Bundesbürger gecheckt werden, nicht das zufällig jemand anruft, wenn er da ist. Hat der Kollege eigentlich eine Familie? Vermutlich nicht, aber es ist auch fragwürdig, ob er das vermisst, bei dem ganzen Stress.

Dieser Kollege, ich denke, alle kennen ihn. Jeder hat ihn schon mal verflucht und jeder beneidete ihn um seinen anscheinend unausschöpflichen Jahresurlaub und hat heimlich seine Fehlerquote bewundert, mit der er immer noch angestellt bleibt. Dieser Kollege, wer ist er eigentlich? Eine typisch deutsche Erfindung des bürokratischen Systems? Oder eine rein menschliche Erfindung, um Ärger, Wut und Stress von sich fern zu halten?

Aber wie gestresst und überreizt muss man werden, damit man diesen Kollegen vorschieben muss, anstatt selbst zu sagen: „Ja, das tut mir Leid, das war mein Fehler!“. Ey, wir sind alle nur Menschen, Fehler passieren und es wäre auch schlimm, wenn nicht. Vielleicht sind sie für den Kunden unpassend, vielleicht sogar sehr behindernd, aber wenn der Mensch mit Menschen arbeitet, dann muss er damit rechnen. Und es steht auch schon in der Bibel: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Wat sachste da noch?

Ich versuche hier nicht Unfreundlichkeit oder auch wirklich vorkommende Unfähigkeit zu entschuldigen. Aber das menschliche Dasein sieht einen geraden, fehlerfreien und perfekten Weg ohne Ärger nun mal nicht vor. Und es wäre auch langweilig, wenn er das wäre. Aber es gehört auch dazu, zuzugeben, wenn man einen Fehler macht und zuzugestehen, dass Fehler passieren, auch innerhalb des deutschen Behördengewusels. Und wenn das klappt, dann können wir eventuell auch den Kollegen endlich mal in seine wohlverdiente Rente schicken. Mit Eigenheim, das hat er sich wirklich verdient!

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