Samstag, 29. Juni 2013
Leipzigs Genderfrage
Um das gleich zu Anfang klar zu stellen: ich habe nichts gegen eine vernünftige Genderdiskussion und halte sie in einigen Belangen auch durchaus für sinnvoll, beispielsweise in der Frage nach dem Gehalt. Was ich aber für vollkommen überflüssig halte, sind Diskussionen über Berufsbezeichnungen.

Die Universität Leipzig hat in ihrer Grundordnung in sämtlichen Titel den Genus in weiblich umgeändert. Als Beispiel: Herr Professorin Doktorin XXX. Als ich das gehört habe, stelle sich mir spontan die Frage: Haben die da nichts besseres zu tun?
Mit Verlaub, natürlich werden Frauen unterschwellig immer noch diskriminiert, aber sollen Begriffsdefinitionen jetzt das Mittel der Dinge sein? Es geht hier schließlich um Titel, um Berufsbezeichnungen, die alle Oberbegriffen unterliegen. Das diese in den meisten Fällen männlich sind, ändert doch nichts an dem Beruf, für den es immer auch eine weibliche Bezeichnung gibt.

Muss man denn wirklich immer alles als Diskriminierung ansehen? Kann es mir nicht völlig egal sein, wie der politische Oberbegriff meines Jobs lautet, solange er mir Spaß macht? Diskriminierung beginnt, meiner Meinung nach, nicht bei Begriffsdefinitionen sondern im Leben selbst. Natürlich haben wir in Deutschland eine männlich geprägte Sprache, aber wen stört das denn ernsthaft? Der Oberbegriff ist männlich, selektiert sich aber spätestens in der zweiten Ebene schon in männlich und weiblich. Sollen wir Frauen uns jetzt ernsthaft darüber aufregen, dass wir nicht in Sammelbegriffen auftauchen, sondern erst in der Selektion? Wozu? Ich hab andere Dinge zu tun.

Ein Pferd ist ein Pferd und selektiert sich dann erst in Hengst und Stute. Und ein Professor ist ein Professor und selektiert sich dann zu Professor und Professorin, meinetwegen auch zu Professorin und Professor. Da geht diese Diskussion ja schon weiter, warum bestehen wir Frauen darauf, zuerst angeredet zu werden. Wir wollen zuerst genannt werden und verlangen, dass Männer unsere Titel tragen und das ändert dann was genau an unserer Diskriminierung beispielsweise im Gehaltssektor? Nichts!

Wir müssen anders ansetzen. Leipzig hat erreicht, das muss man der Uni lassen, dass die Genderdiskussion wieder in den Fokus rückt, aber auf dem, wie ich finde, falschen Weg. Titel und Reihenfolge und Verweiblichung der Sprache bringen unsere Gesellschaft nicht voran. Denn, liebe Leipziger, ihr werdet die Genderdiskussion bald in die andere Richtung haben: Männer fühlen sich (zu Recht) diskriminiert und nicht ernst genommen, wenn man ihnen die ihnen zustehenden, männlichen Titel aberkennt.
Wir Frauen wollten eigene Berufsbezeichnungen, die haben wir bekommen. Fangen wir doch jetzt nicht damit an, sie den Männer wegzunehmen...

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Es geht nur um die Änderung in der Grundordnung der Uni Leipzig, und auch nur um dieses eine Dokument. Siehe dazu auch diese Klarstellung der Uni Leipzig. Dass die Lehrenden an der Uni Leipzig nur noch weibliche Titel führen dürfen, stimmt also nicht.

Der Vorschlag stammt von einem Mann, und zwar von dem Physikprofessor Josef Käs, der laut Spiegel online damit die zeitraubende Diskussion im erweiterten Senat der Uni Leipzig abkürzen wollte.

Der Linguist Horst Simon, Professor für Historische Sprachwissenschaft an der FU Berlin findet die Änderung in der Grundordnung der Leipziger Uni "erfreulich" und "mutig" - und bezeichnet sich im Übrigen vor seinen Studierenden als Linguistin. Auf den Einwand, diese Änderung ändere nichts an Situation der Frauen, entgegnet er: "Die Sprache allein wird an der strukturellen Diskriminierung von Frauen tatsächlich nichts ändern. Aber sie ist ein Mosaikstein."

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Stellt sich mir aber spontan die Frage: Wieso gab es überhaupt Diskussionen im Senat an der Uni?
Wieso fühlen sich Frauen bei rein männlichen Bezeichnungen nicht angesprochen, aber Männer sollen es künftig bei rein weiblichen tun?

Herr Prof. Simon mag das so sehen und bis zu einem gewissen Punkt hat er ja auch Recht, das schreibe ich ja auch, es rückt die Genderdiskussion wieder in den Fokus, die Frage ist nur, ob es an dieser Stelle der richtige Mosaikstein ist, wenn es denn eben nichts ändern werde? Sind das dann nicht eher vergeudete Kräfte?

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Die Sprache ist kein Mosaikstein, sonder ein Placebo.

Und die Vorstellung, daß die irgendwie "richtige" Benennung die Zustände in der Welt verbessern würde, gehört zu einer Religion - nennt sich Konfuzianismus. Wenn sie funktionieren würde, gäbe es jetzt in China vermutlich kein kommunistisches Regime.

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