Sonntag, 21. April 2013
Sonne alleine genießen
roeskvar, 22:04h
Da scheint die Sonne seit anno dazumal endlich wieder und dann verkrümeln sich alle meine Freunde in ihren Studentenbuden und schreiben. OK, mache ich auch gerade, aber das könnte ich theoretisch auch verschieben, denn der Unterschied zwischen mir und meinen Freunden ist der, dass die gerade an ihrer Bachelorarbeit sitzen.
Das ist an der Universität Flensburg, die ja nicht gerade für einen hohen wissenschaftlichen Standard bekannt ist, kein großes Unterfangen, muss im sechsten Semester aber doch langsam mal erledigt werden. Was? Achso, ja, ich schreibe nicht, weil ich sie vorgezogen habe. Da ich die Uni wechseln will, wollte ich sicher stellen, dass wenigstens diese Note rechtzeitig in meiner ECTS-Leistungsübersicht auftaucht.
Klingt wichtig, oder? Im Prinzip ist das aber nur ein Zeugnis, in dem alle Kurse inklusive Note und abgeräumten Creditpoints aufgelistet sind, die der Otto-Normal-Student so in seinen (normalerweise) sechs Bachelorsemestern anhäuft.
Aber genug vom universitärem Abkürzungsurwald. Meine Freunde sind also hinter Bücherbergen und durchhämmerten Tastaturen verschollen, während ich so meiner Wege durch das schöne Flensburg ziehe. Erstaunlich, dass es einen Unterschied macht, ob man alleine schweigend auf der Bank an der Hafenspitze sitzt, oder ob man zu zweit schweigend an der Hafenspitze sitzt. Das Wasser ist nicht anders, die Schwäne gebährden sich ebenfalls aufmüpfig wie immer und auch die Passanten, die gefließlich das Schild "Enten und Schwäne füttern verboten" übersehen, sind nicht spannender als sonst, aber dennoch halte ich es auf meiner Lieblingsbank keine zehn Minuten aus. Woran mag das liegen?
Möglicherweise fehlt mir die Option des Redens. Ich muss nicht reden, ich würde nur gerne können, aber ohne Redepartner könnte das in der Öffentlichkeit seltsam anmuten, ist nichts für im Selbstbewusstsein schwächelnde Charaktere. Bleibt also nur das im Geiste sinnieren, über diese dicke, mit Leggings und türkisfarbener Trainingshose bekleidete Frau, die sich freimütig über zu dicke Frauen in unpassender, viel zu enger Kleidung, aufregt... Was war das doch gleich mit dem Selbstbewusstsein? Manchmal bin ich ganz froh, zu wenig davon zu besitzen, das erspart mir wenigstens solche fatalen Fettnäpfchen. Allerdings bin ich mir darin sehr schnell einig geworden und da es niemanden gibt, den ich auf diese interessante Entdeckung der Gattung Mensch aufmerksam machen kann, erübrigen sich auch weitere Ausführungen.
Aber ist es alleine das wahnsinnig schnelle ausdiskutieren mit einem selber, was mich nach zehn Minuten wieder von meiner Bank treibt? Oder ist es doch eher das Gefühl, dass niemand alleine in der Öffentlichkeit rumsitzen kann, ohne dass sich nicht jeder Vorbeigehende fragt, ob sich denn keine Freunde erbarmen können. Doch. Könnten sie. Wöllten sie auch. Dürfen sie aber nicht, in vier Wochen ruft das Abgabedatum der Bachelorarbeit und bevor ich mir nächtliche Anrufe von verzweifelten Schreiberlingen aufhalse, die am Boden zerstört ihr ganzen Studium hinwerfen wollen, weil sie es nicht schaffen, rechtzeitig fertig zu werden, drängel ich lieber nicht und setze mich alleine an den Hafen. Und habe das unbändige Gefühl, von allen Seiten angestarrt zu werden. Ist natürlich nicht so, so interessant bin ich nicht gerade und so außergewöhnlich das Sitzen auf einer Parkbank auch nicht. Und trotzdem... Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren und stehe auf und gehe am Hafenbecken entlang. Besser. Viel besser. Es sieht so aus, als sei ich irgendwohin unterwegs. Sorry Leute, wichtige Termine. Oder wenigstens kann ich mein Herumgetaper als Spaziergang tarnen und bin auch so raus aus dem Scheider. Und dann, ganz wie von selbst, tragen mich meine Füße wieder Richtung eigener Wohnung.
Tja, naja, ist ja auch nicht so, als müsste ich in diesem Semester nichts machen. Mein Rhetorik-Referat und das über die gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU gliedern und bearbeiten sich ja leider auch nicht von alleine.
Ich nehme mir also ein Beispiel an meinen Freunden und verschwinde hinter Bücherhügeln und malträtiere meine Tastatur. Das Geheimnis meines unbändigen Aufstehdranges am Hafen ist ungelöst, aber vielleicht kann ich meine beiden Lösungsansätze noch als Hypothesen an einen Kommilitonen in Psychologie oder Philosophie verkaufen, damit wenigstens er so etwas wie ein wissenschaftliches Referat aufweisen kann. Oder eine fertige Bachelorarbeit. Who knows?
Das ist an der Universität Flensburg, die ja nicht gerade für einen hohen wissenschaftlichen Standard bekannt ist, kein großes Unterfangen, muss im sechsten Semester aber doch langsam mal erledigt werden. Was? Achso, ja, ich schreibe nicht, weil ich sie vorgezogen habe. Da ich die Uni wechseln will, wollte ich sicher stellen, dass wenigstens diese Note rechtzeitig in meiner ECTS-Leistungsübersicht auftaucht.
Klingt wichtig, oder? Im Prinzip ist das aber nur ein Zeugnis, in dem alle Kurse inklusive Note und abgeräumten Creditpoints aufgelistet sind, die der Otto-Normal-Student so in seinen (normalerweise) sechs Bachelorsemestern anhäuft.
Aber genug vom universitärem Abkürzungsurwald. Meine Freunde sind also hinter Bücherbergen und durchhämmerten Tastaturen verschollen, während ich so meiner Wege durch das schöne Flensburg ziehe. Erstaunlich, dass es einen Unterschied macht, ob man alleine schweigend auf der Bank an der Hafenspitze sitzt, oder ob man zu zweit schweigend an der Hafenspitze sitzt. Das Wasser ist nicht anders, die Schwäne gebährden sich ebenfalls aufmüpfig wie immer und auch die Passanten, die gefließlich das Schild "Enten und Schwäne füttern verboten" übersehen, sind nicht spannender als sonst, aber dennoch halte ich es auf meiner Lieblingsbank keine zehn Minuten aus. Woran mag das liegen?
Möglicherweise fehlt mir die Option des Redens. Ich muss nicht reden, ich würde nur gerne können, aber ohne Redepartner könnte das in der Öffentlichkeit seltsam anmuten, ist nichts für im Selbstbewusstsein schwächelnde Charaktere. Bleibt also nur das im Geiste sinnieren, über diese dicke, mit Leggings und türkisfarbener Trainingshose bekleidete Frau, die sich freimütig über zu dicke Frauen in unpassender, viel zu enger Kleidung, aufregt... Was war das doch gleich mit dem Selbstbewusstsein? Manchmal bin ich ganz froh, zu wenig davon zu besitzen, das erspart mir wenigstens solche fatalen Fettnäpfchen. Allerdings bin ich mir darin sehr schnell einig geworden und da es niemanden gibt, den ich auf diese interessante Entdeckung der Gattung Mensch aufmerksam machen kann, erübrigen sich auch weitere Ausführungen.
Aber ist es alleine das wahnsinnig schnelle ausdiskutieren mit einem selber, was mich nach zehn Minuten wieder von meiner Bank treibt? Oder ist es doch eher das Gefühl, dass niemand alleine in der Öffentlichkeit rumsitzen kann, ohne dass sich nicht jeder Vorbeigehende fragt, ob sich denn keine Freunde erbarmen können. Doch. Könnten sie. Wöllten sie auch. Dürfen sie aber nicht, in vier Wochen ruft das Abgabedatum der Bachelorarbeit und bevor ich mir nächtliche Anrufe von verzweifelten Schreiberlingen aufhalse, die am Boden zerstört ihr ganzen Studium hinwerfen wollen, weil sie es nicht schaffen, rechtzeitig fertig zu werden, drängel ich lieber nicht und setze mich alleine an den Hafen. Und habe das unbändige Gefühl, von allen Seiten angestarrt zu werden. Ist natürlich nicht so, so interessant bin ich nicht gerade und so außergewöhnlich das Sitzen auf einer Parkbank auch nicht. Und trotzdem... Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren und stehe auf und gehe am Hafenbecken entlang. Besser. Viel besser. Es sieht so aus, als sei ich irgendwohin unterwegs. Sorry Leute, wichtige Termine. Oder wenigstens kann ich mein Herumgetaper als Spaziergang tarnen und bin auch so raus aus dem Scheider. Und dann, ganz wie von selbst, tragen mich meine Füße wieder Richtung eigener Wohnung.
Tja, naja, ist ja auch nicht so, als müsste ich in diesem Semester nichts machen. Mein Rhetorik-Referat und das über die gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU gliedern und bearbeiten sich ja leider auch nicht von alleine.
Ich nehme mir also ein Beispiel an meinen Freunden und verschwinde hinter Bücherhügeln und malträtiere meine Tastatur. Das Geheimnis meines unbändigen Aufstehdranges am Hafen ist ungelöst, aber vielleicht kann ich meine beiden Lösungsansätze noch als Hypothesen an einen Kommilitonen in Psychologie oder Philosophie verkaufen, damit wenigstens er so etwas wie ein wissenschaftliches Referat aufweisen kann. Oder eine fertige Bachelorarbeit. Who knows?
... comment