Dienstag, 11. Juni 2013
"AnToJoSteOLiMäuJa-Rebecca, kommst Du zum Essen?"
Nö, das ist nicht mein Name, zumindest nicht das Kauderwelsch der vor dem Bindestrich steht. Das ist eine kreative Namensfindung meiner Mutter.

Ich bin selten zu Hause bei meinen Eltern, seit ich vor drei Jahren nach Flensburg gezogen bin. Liegt nicht zuletzt daran, dass ich meinen Namen mag. Und verstehen sie mich nicht falsch, ich liebe meine Mutter und vor allem liebe ich ihre Versprecher und den Humor, den sie hat, um über sich selbst lachen zu können. Als Beispiel: Irgendwann redete sie am Abendbrottisch mit meiner ältesten Schwester über eine Neuigkeit, die sie ihr schon auf den Anrufbeantworter in HH gesprochen hat und sagte zu A.: "Das hab ich Dir auf die Mail geboxt..." Meine Mama, die Kickboxerin ;-).

Was mich aber manchmal wirklich zum Rasen bringt, ist diese Namensverwirrung, auch wenn ich jetzt weiß, wieso ich selbst so ein schlechtes Namensgedächtnis habe. Meine zukünftigen Schülerinnen und Schüler werden mich mindestens genauso verfluchen wie ich meine Mutter, aber im Ernst: das sind dann "nur" meine Schüler, nicht meine eigenen Kinder.

Ich muss meiner Mutter zugute halten, dass wir drei Schwestern uns wirklich sehr ähnlich sehen und dass man da, wenn man sie zwanzig Jahre lang sowieso nacheinander aufgerufen hat, sich mal verspricht, geschenkt. Aber wenn meine Mutter mich mit dem Namen meines Bruders anspricht, dann rolle ich schon mit den Augen. Auch wenn ich ihn sehr mag, genauso wie meine Schwägerin und meinen Neffen und meine Nichte, aber die intellektuelle Hürde, dass ich als ihre Tochter weder eingeheiratet bin noch vor vier bzw. zwei Jahren erst geboren wurde, dass traue ich ihr zu, auch wenn ich nur viermal im Jahr zu Hause weile. Eigentlich...

Besonders spannend wird es, wenn durch das Haus schallmeit: "Mäuschen, kommst Du zum Essen?" "Mäuschen" ist in dem Fall nicht mein Spitzname, sondern der Name unserer vor eineinhalb Jahren verstorbenen Katze. Als neustes Pendant lautet der Satz jetzt: "Jack, kommst Du zum Essen?"
Durch den Hunger fühle ich mich meistens trotzdem angesprochen, obwohl ich besonders "Jack" als beleidigend empfinde. Unser neuer schwarzer Kater, der uns zugelaufen ist und nicht ganz ohne Grund den Namen "Jack Sparrow" trägt...

Die Kreationen, die aus diesem Namensgewusel entstehen, sind zwar samt und sonders höchst kreativ, veranlassen uns eigentlich auch eher zum Schmunzeln als zum Ärgern, sind aber dennoch manchmal etwas störend. Zumal es dauern kann, bis meine Mutter meint, den richtigen Namen gefunden zu haben, um dann endlich zu sagen, was sie loswerden will. Bei den zehn zur Verfügung stehenden Namen können schonmal ein paar Minuten für den Ruf zum Essen vergehen.
Mittlerweile umgehe ich das einfach, indem ich rechtzeitig in die Küche schleiche, pseudomäßig etwas Geschirr hin und her räume und dann selbst zum Essen rufe, denn mit "Mama" und "Papa" habe ich es, zugegeben, wesentlich einfacher und vor allem bei einem Versprecher eine wesentlich höhere Trefferquote ;-).

Wenn ich doch nochmal in die Verlegenheit komme und selbst Kinder habe, dann werde ich diesen Text wieder löschen (müssen). Und meine Mutter bekommt den größten Blumenstrauß aller Zeiten!

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