Donnerstag, 18. April 2013
Mal eben kurz
Garantiert kennen Sie dieses obligatorische "Mal eben kurz...", oder? Mal eben kurz einkaufen, mal eben kurz duschen, mal eben kurz nachgucken, alles macht man mal eben kurz. Bleibt man da nicht irgendwie auf der Frage hängen, wie lang mal eben kurz sein soll, denn duschen und einkaufen müssen nicht zwingend in einem gemeinsamen zeitlichen Verhältnis zueinander stehen. Und auch in Recherchen kann man sich durchaus verlieren, sofern das Thema dies hergibt.

Ich wurde neulich gefragt, ob ich nicht "mal eben kurz nach Kiel fahren könnte", zwecks einer Wohnungsbesichtigung. Konnte ich. Aber von Flensburg nach Kiel fährt man lässig mit der DB eine und eine Viertelstunde. Das bedeutet schonmal zweieinhalb Stunden Fahrtweg, dann noch mit Besichtigung, da war ich locker vier Stunden unterwegs (hat sich gelohnt, die Wohnung ist toll, aber trotzdem...). Und ich muss gestehen, dass ich durchaus schonmal vier Stunden lang einkaufen war, aber noch nie vier Stunden unter der Dusche stand, nicht mal verkatert oder eingeschlafen.

Was soll also diese hohle Phrase? Ich vermute ja, sie soll uns die einzelnen Aktionen schmackhaft machen. Der per se sehr gestresste und hektische Mensch, insbesondere der Deutsche als solcher, hat ja grundsätzlich nie Zeit und wenn man sich ein halbes Jahr vorher ankündigt, kommt in den meisten Fällen: "Das kann ich noch nicht mit Sicherheit fest zusagen...", kann ja noch was Wichtigeres um die Ecke biegen. "Mal eben kurz" simuliert aber, dass es schnell geht, dass man kaum Zeitaufwand hat und dass man aus der Nummer auch flugs wieder raus ist. "Mal eben kurz" soll, meiner Ansicht nach, also verstecken, wie lange etwas wirklich braucht und fast jeder Mann wird sich eher zu "mal eben kurz Einkaufen" überreden lassen, als zu "exzessives, vierstündiges Einkaufen", auch wenn Ausnahmen grundsätzlich die Regel bestätigen.

Was würde wohl passieren, wenn wir tatsächliche Zeitangaben machen, zum Beispiel: "Ich gehe jetzt eine Stunde einkaufen.", oder "Ich gehe jetzt eine halbe Stunde duschen.". Vielleicht würde dann auffallen, mit wie vielen Dingen wir unseren Alltag tatsächlich füllen können, ohne dass es uns an Ruhephasen mangelt. Vielleicht würden wir Zeit besser einschätzen können und vielleicht würden wir dadurch etwas entspannter werden. Vielleicht...

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