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Sonntag, 7. April 2013
Sonntage...
roeskvar, 15:55h
Sonntags, viertel nach neun in Deutschland, Flensburg: DING DONG DONG DONG DING DING DÄNG DONG DONG DING DING DÄNG DÄNG DÄNG DONG... Die Nikolaikirche ruft zum Gottesdienst. Nichts gegen schöne alte Traditionen, aber in Zeiten von Weckern und Mobiltelefonen mit Weckfunktionen... Na gut, es wusste ja schon meine Großmutter: "Wer früh aufsteht, hat mehr vom Tag!" Was allerdings impliziert, dass man dem Weckruf der Kirche tatsächlich auch folgt und sich nicht um halb zehn nochmal genüsslich unter der Bettdecke umdreht, den Kopf in das Kissen kuschelt und hofft, dass der Mitbewohner den gleichen Plan hat.
Hat er natürlich nicht. Verständlich, wenn man bedenkt, dass seine Freundin heute endlich aus den Semesterferien wieder kommt und sie das große Wiedersehen feiern. Ist bestimmt schon ganz aufgeregt der Junge, aber trotzdem, zwischen halb zehn Uhr morgens und halb acht Uhr abends hat er wirklich noch genug Zeit, seine Nerven zu sortieren und sich aufzuhübschen, aber soll er man machen, das soll mein Schaden nicht sein.
Für mich ist es ein ganz normaler Sonntag zu Beginn eines viel zu langen Sommersemesters, mein letztes in Flensburg und ich habe vor, das genauso zu genießen, wie sich das in einer Hafenstadt gehört. Und wenn an einem Sonntag, an dem noch keine Lernphasen anberaumt sind, das Wetter kalt, regnerisch und ungemütlich ist, dann gehört es sich für einen echten Studenten im Bett zu bleiben. Ein Privileg, dass ich allerdings momentan mehr oder weniger als einzige meines Jahrgangs genießen kann, meine Kommilitonen schreiben alle an ihrer Bachelorarbeit, die ich in weiser Voraussicht vorgezogen habe. Ein Knarzen und Quietschen aus dem Zimmer nebenan sagt mir, dass sich auch mein Herr Mitbewohner an den Schreibtisch bewegt hat. Meint er ernsthaft, heute was zu schaffen? Ich lasse ihm seine Illusion und werfe mal einen Blick auf mein Smartphone: Facebook gibt Ruhe, aber bei Whats App sind mal wieder alle außer Rand und Band. Seitdem sich herum gesprochen hat, dass ich meine Bachelorarbeit nicht nur gschrieben, sondern auch abgegeben und benotet bekommen habe, bin ich zur Auskunft für die dämlichsten Fragen mutiert. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag meine Freunde alle sehr sehr gerne und ich helfe auch gerne wo ich kann, aber bei Fragen wie: "Hast Du die Anmeldung direkt im Büro abgegeben oder hast Du sie ins Postfach geworfen?", fällt es mir schwer, nicht ironisch oder gar sarkastisch/zynisch zu werden. Aber weil ich ja nicht so bin, beantworte ich brav auch solche Fragen, verkneife mir das Augenrollen und sehe zu, dass ich meine Mobilette wieder zum Fliegen bringe. Wenn es einen Nachteil an der neusten Generation von Handys gibt, dann eindeutig den, dass man sich nur ganz schwer aus irgendwelchen Apps ausloggen kann und mal nicht erreichbar sein kann. Handy aus geht ja auch nicht mehr, das ist nicht gut für den sowieso schon recht schwachen Akku, aber ich bediene mich dann einfach Trick 17 und stelle mein Handy auf Flugmodus. Wirklich wichtige Leute haben im Zweifel aller Zweifel meine Festnetznummer und sich in einer WG tot zu stellen ist quasi unmöglich: der Mitbewohner geht garantiert ran und sagt: "Ja, die ist da, Moment, ich geb sie Dir..."...! Die gute alte Telekommunikation und ich überlege ernsthaft, sie im Sommer, wenn ich runter nach Kiel ziehe, abzuschaffen. So viel Nostalgie kann man doch fast nicht mehr wegwerfen, so ein Festnetztelefon hat doch schon bald einen gewissen Museumswert, oder? Vielleicht sollte ich in dem Sinne mal bei meinen Eltern auf dem Dachboden suchen, ich bin mir ziemlich sicher, dass da noch ein Telefon mit Wählscheibe rumliegt. DAS hätte Stil!
In Erinnerungen schwelgend schwanke ich mal flugs unter die Dusche, ich mag mich auch an Sonntagen für gewöhnlich lieber sauber und wohlriechend. Aber den Blick in den Spiegel hätte ich mir trotzdem lieber erspart, denn abgesehen davon, dass ich aussehe wie ein Waschbär auf Koks (habe mich gestern Abend nicht abgeschminkt), sieht es um meinen Bauch und meine Hüften gar nicht gut aus. Ade Du schöner gemütlicher Sonntag, wenigstens eine Stunde sollte ich heute wohl doch nochmal spazieren gehen. Neben meinem abendlichen Krafttraining der einzige Sport, für den ich mich während meines Unilebens erwärmen konnte: Ich mache alles grundsätzlich zu Fuß, sodass ich manchmal täglich mehrere Stunden durch die Weltgeschichte socke. Unter dem Kopfschütteln meiner Freunde und Bekannten, die lieber eine halbe Stunde länger schlafen und den Bus nehmen, anstatt den Sandberg zu Fuß hinauf zu kraxeln. Der Unterschied zwischen ihnen und mir liegt dann allerdings darin, dass ich in der 08.00 Uhr bis 10.00 Uhr Veranstaltung halbwegs wach bin...
Im Geiste plane ich also schonmal meine Wanderroute für heute und bemerke noch gerade rechtzeitig, dass mein herzallerliebster Mitbewohner heute mal wieder kalt geduscht hat. Das wäre fast ins Auge gegangen. Ich habe schon einmal bei einem grandiosen Rückwärtssprung die Duschwand extrem malträtiert und diese hier ist gerade erst neu eingebaut worden. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass mein Mitbewohner dafür heute keine Nerven gehabt hätte, aber es ist ja zum Glück nochmal alles gut gegangen. Nach der (warmen!) Dusche bin ich auch motiviert genug, den Frühling in Flensburg suchen zu gehen und tatsächlich, an einer Ecke habe ich ihn gefunden: Am alten Friedhof, oben auf dem Museumsberg blühen die ersten Krokusse auf und das bedeutet, es dauert nicht mehr lange :-)

Hat er natürlich nicht. Verständlich, wenn man bedenkt, dass seine Freundin heute endlich aus den Semesterferien wieder kommt und sie das große Wiedersehen feiern. Ist bestimmt schon ganz aufgeregt der Junge, aber trotzdem, zwischen halb zehn Uhr morgens und halb acht Uhr abends hat er wirklich noch genug Zeit, seine Nerven zu sortieren und sich aufzuhübschen, aber soll er man machen, das soll mein Schaden nicht sein.
Für mich ist es ein ganz normaler Sonntag zu Beginn eines viel zu langen Sommersemesters, mein letztes in Flensburg und ich habe vor, das genauso zu genießen, wie sich das in einer Hafenstadt gehört. Und wenn an einem Sonntag, an dem noch keine Lernphasen anberaumt sind, das Wetter kalt, regnerisch und ungemütlich ist, dann gehört es sich für einen echten Studenten im Bett zu bleiben. Ein Privileg, dass ich allerdings momentan mehr oder weniger als einzige meines Jahrgangs genießen kann, meine Kommilitonen schreiben alle an ihrer Bachelorarbeit, die ich in weiser Voraussicht vorgezogen habe. Ein Knarzen und Quietschen aus dem Zimmer nebenan sagt mir, dass sich auch mein Herr Mitbewohner an den Schreibtisch bewegt hat. Meint er ernsthaft, heute was zu schaffen? Ich lasse ihm seine Illusion und werfe mal einen Blick auf mein Smartphone: Facebook gibt Ruhe, aber bei Whats App sind mal wieder alle außer Rand und Band. Seitdem sich herum gesprochen hat, dass ich meine Bachelorarbeit nicht nur gschrieben, sondern auch abgegeben und benotet bekommen habe, bin ich zur Auskunft für die dämlichsten Fragen mutiert. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag meine Freunde alle sehr sehr gerne und ich helfe auch gerne wo ich kann, aber bei Fragen wie: "Hast Du die Anmeldung direkt im Büro abgegeben oder hast Du sie ins Postfach geworfen?", fällt es mir schwer, nicht ironisch oder gar sarkastisch/zynisch zu werden. Aber weil ich ja nicht so bin, beantworte ich brav auch solche Fragen, verkneife mir das Augenrollen und sehe zu, dass ich meine Mobilette wieder zum Fliegen bringe. Wenn es einen Nachteil an der neusten Generation von Handys gibt, dann eindeutig den, dass man sich nur ganz schwer aus irgendwelchen Apps ausloggen kann und mal nicht erreichbar sein kann. Handy aus geht ja auch nicht mehr, das ist nicht gut für den sowieso schon recht schwachen Akku, aber ich bediene mich dann einfach Trick 17 und stelle mein Handy auf Flugmodus. Wirklich wichtige Leute haben im Zweifel aller Zweifel meine Festnetznummer und sich in einer WG tot zu stellen ist quasi unmöglich: der Mitbewohner geht garantiert ran und sagt: "Ja, die ist da, Moment, ich geb sie Dir..."...! Die gute alte Telekommunikation und ich überlege ernsthaft, sie im Sommer, wenn ich runter nach Kiel ziehe, abzuschaffen. So viel Nostalgie kann man doch fast nicht mehr wegwerfen, so ein Festnetztelefon hat doch schon bald einen gewissen Museumswert, oder? Vielleicht sollte ich in dem Sinne mal bei meinen Eltern auf dem Dachboden suchen, ich bin mir ziemlich sicher, dass da noch ein Telefon mit Wählscheibe rumliegt. DAS hätte Stil!
In Erinnerungen schwelgend schwanke ich mal flugs unter die Dusche, ich mag mich auch an Sonntagen für gewöhnlich lieber sauber und wohlriechend. Aber den Blick in den Spiegel hätte ich mir trotzdem lieber erspart, denn abgesehen davon, dass ich aussehe wie ein Waschbär auf Koks (habe mich gestern Abend nicht abgeschminkt), sieht es um meinen Bauch und meine Hüften gar nicht gut aus. Ade Du schöner gemütlicher Sonntag, wenigstens eine Stunde sollte ich heute wohl doch nochmal spazieren gehen. Neben meinem abendlichen Krafttraining der einzige Sport, für den ich mich während meines Unilebens erwärmen konnte: Ich mache alles grundsätzlich zu Fuß, sodass ich manchmal täglich mehrere Stunden durch die Weltgeschichte socke. Unter dem Kopfschütteln meiner Freunde und Bekannten, die lieber eine halbe Stunde länger schlafen und den Bus nehmen, anstatt den Sandberg zu Fuß hinauf zu kraxeln. Der Unterschied zwischen ihnen und mir liegt dann allerdings darin, dass ich in der 08.00 Uhr bis 10.00 Uhr Veranstaltung halbwegs wach bin...
Im Geiste plane ich also schonmal meine Wanderroute für heute und bemerke noch gerade rechtzeitig, dass mein herzallerliebster Mitbewohner heute mal wieder kalt geduscht hat. Das wäre fast ins Auge gegangen. Ich habe schon einmal bei einem grandiosen Rückwärtssprung die Duschwand extrem malträtiert und diese hier ist gerade erst neu eingebaut worden. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass mein Mitbewohner dafür heute keine Nerven gehabt hätte, aber es ist ja zum Glück nochmal alles gut gegangen. Nach der (warmen!) Dusche bin ich auch motiviert genug, den Frühling in Flensburg suchen zu gehen und tatsächlich, an einer Ecke habe ich ihn gefunden: Am alten Friedhof, oben auf dem Museumsberg blühen die ersten Krokusse auf und das bedeutet, es dauert nicht mehr lange :-)

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